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21.08.2007

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EXTRA: Unternehmenssteuerreform 2008

28,25-Prozent-Niedrigsteuer für Personenunternehmen (Einzelfirmen, GbRs, OHGs, KGs, GmbH & Co KGs)
§ 34a EStG n. F./§ 35 EStG n. F.

Ihnen steht für jeden Betrieb, jede Beteiligung und jedes Steuerjahr ein separates Wahlrecht zu, Gewinne ganz oder teilweise ermäßigt zu versteuern. Voraussetzung ist, dass

- der Gewinn durch Bilanzierung ermittelt wird,
- der Gewinnanteil des Mitunternehmers mehr als 10 Prozent beträgt oder
- der Gewinnanteil des Mitunternehmers 10.000 Euro übersteigt.

Soweit Sie begünstigt besteuerte Gewinnanteile in einem späteren Jahr entnehmen, greift eine Nachversteuerung in Höhe von 25 Prozent. Zur Nachversteuerung kommt es auch bei Betriebsveräußerung oder -aufgabe, bei Einbringungsfällen, beim Wechsel der Gewinnermittlungsart (weg von der Bilanzierung) und auf Antrag.

Diese Niedrigsteuer erscheint auf den ersten Blick sehr günstig, doch es lauern einige Fallen in ihr.

Falle 1: Da Sie Entnahmen mit 25 Prozent nachversteuern müssen, fahren Sie damit im Endergebnis schlechter, als wenn Sie gleich 42 bzw. 45 Prozent Spitzensteuersatz zahlen.

Falle 2: Alleine schon die Bezahlung der Niedrigsteuer mit Mitteln des Betriebs gilt als Entnahme. Sie müssen also auf die entnommenen Steuern wiederum 25 Prozent Entnahme-Steuer zahlen.

Falle 3: Die Gewerbesteuer ist ab 2008 keine Betriebsausgabe mehr, sondern Privat-Steuer. Also löst auch die Entnahme der Gewerbesteuer wieder 25 Prozent Extra-Steuer aus

Falle 4: Ermäßigt besteuerte Gewinne stehen nicht zur Verrechnung mit Verlusten zur Verfügung.

Fazit: Die für 2008 geplante Niedrigsteuer mit 28,25 Prozent ist in erster Linie etwas für „reiche“ Unternehmer. Denn diese sind oft so vermögend, dass sie ihren gesamten Privatbedarf inklusive Steuerzahlungen aus anderen Einkommensquellen decken können. Diese können die Firmengewinne tatsächlich völlig unangetastet in der Firma belassen.

„Normale“ Unternehmer, die auf Entnahmen angewiesen sind, lassen von der „Niedrigsteuer“ lieber die Finger.


Einschränkung der Abschreibungsmöglichkeiten (Wegfall der degressiven AfA)

Alle die erfreulichen Steuersenkungen muss ja irgend jemand bezahlen. Und das sind Sie - nämlich v. a. über folgende drei Streichungen/Verschlechterungen:

1. Die degressive Abschreibung (AfA) wird abgeschafft
2. Die Sofort-AfA für GWG (Geringwertige Wirtschaftsgüter) wird eingeschränkt
3. Die Ansparabschreibung wird eingeschränkt


Sofortabzugsfähigkeit geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWGs) eingeschränkt:

Derzeit können Sie selbstständig nutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungskosten von maximal je 410 Euro netto sofort im Kaufjahr zu 100 Prozent abschreiben. Diese Grenze sinkt ab 2008 auf 150 Euro.

Neu: Das Gesetz sieht darüber hinaus eine „Poolbewertung“ von GWG zwischen 150,01 und 1.000 Euro vor (§ 6 Abs. 2a EStG n. F.). Dies bedeutet, dass Sie alle in einem Wirtschaftsjahr erworbenen GWG mit Anschaffungskosten zwischen 150,01 und 1.000 Euro in einen (einzigen) jährlich zu bildenden Sammelposten einstellen müssen. Dieser Sammelposten ist dann - unabhängig vom vorzeitigen Ausscheiden eines darin eingegangenen Wirtschaftsgutes - über insgesamt fünf Jahre gewinnmindernd aufzulösen.

Problem: Unklar ist, was bei Diebstahl oder sonstigem Untergang der Wirtschaftsgüter passieren soll. Eine Bilanzierung nicht mehr vorhandener Wirtschaftsgüter ist handelsrechtlich verboten, soll steuerlich aber vorgeschrieben sein.

Tipp: GWG zwischen 150,01 und 410 Euro sollten Sie noch 2007 anschaffen. Das Gleiche gilt für PCs, Notebooks und Peripherie zwischen 410,01 und 1.000 Euro, bei denen die AfA-Dauer ab 2008 von 3 auf 5 Jahre steigt.

Aber: Den Erwerb von Büromöbeln zwischen 410,01 und 1.000 Euro hingegen verschieben Sie besser nach 2008. Sie verkürzen dadurch die AfA-Dauer von 13(!) auf 5 Jahre.

Das gilt im Übrigen für alle Anlagegüter zwischen 410,01 und 1.000 Euro Anschaffungskosten, die eine Nutzungsdauer von mehr als 5 Jahren haben.


Investitionsabzugsbetrag statt Anspar-Abschreibung für kleinere und mittlere Unternehmen
§ 7g EStG n. F.

Die bisherige Anspar-Abschreibung fällt ab 2008 weg. Alte Anspar-Abschreibungen sind dann spätestens in der 2008er- bzw. 2009er Bilanz aufzulösen. Vor- und Nachteile des neu geregelten Investitionsabzugsbetrags:

Vorteil 1: Den Investitionsabzugsbetrag werden ab 2008 ein paar Unternehmen mehr nutzen können als die Anspar-Abschreibung. Denn die Obergrenze für das Eigenkapital steigt von 204.517 Euro auf 235.000 Euro.

Vorteil 2: Der Investitionsabzugsbetrag beträgt künftig bis zu 200.000 Euro (bisher max. 154.000 Euro).

Vorteil Nr. 3: Abzug und Nachversteuerung erfolgen für neue Abzugsbeträge ab 2008 außerhalb der Bilanz, sodass sich ein Investitionsabzugsbetrag im Gegensatz zur Anspar-Abschreibung nicht mehr schädlich auf das Banken-Rating nach „Basel II“ auswirken kann.

Vorteil Nr. 4: Die Investitionsfrist beträgt künftig 3 statt 2 Jahre.

Vorteil Nr. 5: Das begünstigte bewegliche Wirtschaftsgut des Anlagevermögens muss nicht mehr „neu“ sein.

Nachteil Nr. 1: Den Investitionsabzugsbetrag können Sie nur dann in Anspruch nehmen, wenn das begünstigte Wirtschaftsgut mindestens bis zum Folgejahr im Inland bilanziert wird und überwiegend, d. h. zu mehr als 50 Prozent, betrieblich genutzt wird. Eine „Anspar-Abschreibung“ für das zu 70 Prozent privat genutzte Cabrio wird es bei Personenunternehmen also nicht mehr geben.

Nachteil Nr. 2: Kommt es nicht zu Investitionen, soll in Zukunft rückwirkend der alte Steuerbescheid geändert werden mit 6 Prozent Nachzahlungs-Zins pro Jahr. Damit wird eine planmäßige Gewinnverschiebung in ein anderes Jahr - bisher eine hervorragende Steuergestaltungsmöglichkeit - ab 2008 nicht mehr möglich sein. Und das ist letztendlich der Todesstoß für den Investitionsabzugsbetrag bei nicht getätigter Investition, der die 5 scheinbaren Vorteile bei weitem überwiegt.



Einführung einer Zinsschranke
§ 4h EStG n. F. und § 8a KStG n. F.

Zinsaufwendungen (nach Abzug von Zinserträgen) werden künftig nur beschränkt abziehbar sein. Abzugsfähig sind maximal Zinsen bis 30 Prozent vom Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Das greift aber freilich nur bei Überschreiten der u. g. Freigrenze. Soweit Zinsaufwendungen wegen der Zinsschranke vom Abzug ausgeschlossen sind, können Sie diese Ausgaben zeitlich unbegrenzt auf spätere Steuerjahre vortragen.

Die Zinsschranke ist nicht anwendbar:
- Bei Unterschreiten der Freigrenze: Eine Freigrenze von einer Million Zinsaufwand soll gewährleisten, dass kleine und mittlere Betriebe von der Beschränkung nicht betroffen sind. Auf gut Deutsch: Zinsen unterhalb von einer Million im Jahr können Sie stets absetzen.
- Wenn der Betrieb nicht zu einem Konzern gehört oder
- wenn bei Konzerngesellschaften die Eigenkapitalquote des Betriebes der Konzerneigenkapitalquote entspricht.


`nderungen bei der Gewerbesteuer

Derzeit kann der Gewerbesteueraufwand vollständig als Betriebsausgabe abgezogen werden. Die Unternehmenssteuerreform sieht hingegen vor, dass die Gewerbesteuer sowie darauf anfallende Zinsen ab 2008 nicht mehr als Betriebsausgabe abzugsfähig sind (§ 4 Abs. 5b EStG n. F.). 

Der bislang geltende Staffeltarif für Einzelgewerbetreibende und Personengesellschaften wird abgeschafft. Der Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro für Einzelgewerbetreibende und Personengesellschaften bleibt aber erhalten.

Beispiel 1 (GewSt ab 2008):
                                   

GmbH

GmbH & Co KG oder Einzelunternehmen

Gewinn

100.000

100.000

Hinzurechnungen (s. u.)

15.000

15.000

Gewinn vor Freibetrag

115.000

115.000

./. Freibetrag

0

- 24.500

Bemessungsgrundlage

115.000

90.500

Gewerbesteuermesszahl

3,5%

3,5%

Messbetrag

 4.025

 3.168

Hebesatz (angenommen)

350%

350%

zu zahlende Gewerbesteuer

14.088

11.086

Abzug als Betriebsausgabe

entfällt

entfällt

Anrechnung auf ESt. der Gesellschafter

nein

Faktor 3,8 des Messbetrags, höchstens aber tats. GewSt.

 = tats. Anrechnung

Null

11.086


Erhöhung der Anrechnung der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer kann ab 2008 nicht mehr als Betriebsausgabe abgezogen werden (§ 4 Abs. 5b EStG n. F.). Bei Personenunternehmen wird dafür die Anrechnung vom 1,8-Fachen des Gewerbesteuermessbetrages auf das 3,8-Fache angehoben. Allerdings begrenzt das Gesetz diese Steuerermäßigung auf die tatsächlich gezahlte Gewerbesteuer des Unternehmens. Die Steuermesszahl für den Gewerbeertrag wird von bisher 5 Prozent auf künftig pauschal 3,5 Prozent abgesenkt.


`nderungen bei Hinzurechnungen:

Bisher war es schon so, dass Sie nicht alle Aufwendungen bei der Ermittlung des Gewerbeertrags absetzen konnten. Vielmehr wurden einzelne Beträge hinzugerechnet, z. B. die Hälfte von langfristigen Zinsen. Diese Hinzurechnungstatbestände für Geld- und Sachkapitalüberlassung werden künftig zusammengefasst und vereinheitlicht. Demnach werden solche Ausgaben künftig einheitlich in Höhe von 25 Prozent hinzugerechnet.  Eine Unterscheidung zwischen Dauerschulden und kurzfristigen Verbindlichkeiten gibt es ab 2008 nicht mehr.

Aber: Dafür wird es künftig unterstellt, dass in Mieten, Pachten und Leasingraten ein Finanzierungsanteil enthalten ist, der pauschal ermittelt wird. Für nicht bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (d. h. Immobilien) wird er mit mit 75 Prozent und für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit 20 Prozent angesetzt.

Die Hinzurechnung unterbleibt aber, soweit die Summe der „Finanzierungsentgelte“ den Freibetrag von 100.000 Euro nicht übersteigt.

Beispiel 2 - Hinzurechnungen:

Ausgaben pro Jahr

Finanzierungsanteil laut neu gefasstem Gesetz

maßgeblicher Betrag

Bank-Zinsen (langfr. +kurzfr.)

60.000

100 %

 60.000

gemietete Büroräume

120.000

75 %

 90.000

Leasingraten für Maschinen und Kfz

50.000

20 %

 10.000

Summe

160.000

./. Freibetrag

- 100.000

Basis für Hinzurechnung

 60.000

hinzugerechnet werden davon in %

25 %

hinzugerechnet werden in Euro

15.000

 

Aufwendungen für die Überlassung von Lizenzen und Konzessionen unterliegen ebenfalls mit einem Viertel der Hinzurechnung, von der Hinzurechnung freigestellt sind jedoch so genannte „Vertriebslizenzen“.

Wenn Sie Beteiligungsbesitz haben, kann es künftig leichter zu einer doppelten Besteuerung kommen. Denn die Firma, an der Sie beteiligt sind, zahlt Gewerbesteuer und Sie als Anteilseigner nochmal. Davon bleiben Sie nur verschont, wenn Sie mit mindestens 15 Prozent (bisher 10 Prozent) beteiligt sind
(sog. Schachtelprivileg).


Verlustabzug beim Mantelkauf wird neu geregelt
§ 8c KStG n. F.

Diese `nderung betrifft alle, die irgendwann vorhaben, einen GmbH-Mantel zu kaufen, um z. B. vorhandene Verlustvorträge zu nutzen. Da GmbHs ein selbständiges Steuersubjekt sind, müssten Verlustvorträge eigentlich unabhängig von der Gesellschafter-Zusammensetzung vortragsfähig sein. Dem ist aber nicht so.

Dieses Jahr gilt hier noch folgende Regelung: Verlustvorträge entfallen, wenn mehr als die Hälfte der Anteile übertragen wird und „überwiegend neues Betriebsvermögen“ zugeführt wird. Bei einer überschuldeten GmbH, die nichts mehr hat, genügt hier allerdings schon ein Euro. (§ 8 Abs. 4 KStG) Ab 2008 gilt eine neue Regelung: Wenn ein Erwerber 25,01 bis 50,0 Prozent der Anteile kauft, entfällt der Verlustvortrag anteilig. Wenn einer 50,1 Prozent kauft, werden die Verluste vollständig gelöscht. Auf die Zuführung neuen Betriebsvermögens kommt es nicht mehr an. (§ 8c KStG)

Beispiel 1: Herr Schulze kauft 25 Prozent der X-GmbH. Er gewährt ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von einer Million Euro, damit die GmbH mit neuer Energie loslegen kann. Die Verlustvorträge der X-GmbH bleiben vollständig erhalten.

Beispiel 2: Herr Meier kauft 26 Prozent an der Y-GmbH: nur 74 Prozent der Verlustvorträge können weiter genutzt werden.

Beispiel 3: Herr Müller kauft 51 Prozent an der Z-GmbH: die Verlustvorträge gehen völlig unter.

Achtung: Der Erwerb von Anteilen bis 25 Prozent ist zwar eigentlich unschädlich. Aber: Erwerbe von „nahestehenden Personen“ werden zusammengerechnet. Hier ist natürlich `rger vorprogrammiert, denn wenn vier Leute gemeinsam eine GmbH kaufen, wird das Finanzamt diesen mit Sicherheit unterstellen, sie würden einander nahestehen oder gleichgerichtete Interessen haben.

Weitere Verkomplizierung: Bis 2013 gelten die alte und neue Regelung parallel. Damit sollen Tricks von Steuerkünstlern verhindert werden.

Fazit: Wie schon bisher bleibt es schwierig, eine GmbH zu kaufen um deren Verlustvorträge zu nutzen. Lassen Sie sich also keine marode GmbH aufschwatzen mit dem Hinweis, Sie könnten dann jahrelang steuerfrei Gewinne kassieren und mit Verlustvorträgen verrechnen.


Besteuerung der Funktionsverlagerung/Neuregelung von Verrechnungspreisen

Diese Vorschriften werden alle Unternehmen mit ausländischen Betriebsstätten z. T. empfindlich treffen. Diese `nderungen werden hier aber nur der Vollständigkeit halber erwähnt und aus Platzgründen nicht im Detail erläutert.


Reichensteuer ab 2008 für alle „Reichen“ - hohe Gewinne nach 2007 vorziehen

Die 2007 eingeführte Reichensteuer gilt dieses Jahr noch nicht für betriebliche Gewinne, sondern nur für hohe Gehälter, Kapitaleinkünfte und Mieten.

Ab 2008 werden alle Einkünfte einbezogen. Dann werden auch Gewinne von Einzelunternehmern und Personengesellschaften (OHG, KG, GmbH & Co KG) mit bis zu 45 Prozent plus Soli besteuert. (§§ 32c; 52 Abs. 44 EStG)

Betroffen sind dann alle, deren Gesamteinkommen über 500.000 Euro liegt (bzw. 250.000 bei Ledigen).

Falls Sie betroffen sind: Schieben Sie möglichst viel Gewinn nach 2007.

Das heißt: niedrige Rückstellungen, hoher Inventurwert, lange Abschreibungsdauern, Auslieferungen + Rechnungsstellung nach 2007 vorziehen. Ihr Vorteil: 42 statt 45 Prozent Spitzensteuersatz.


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