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05.02.2010

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EXTRA: Ihre Anlagestrategie 2010

Wem vertrauen Sie die Anlage Ihres Geldes an? Ihrer Bank? In diesem Fall besteht nicht nur die Möglichkeit, dass Sie schlecht beraten werden, sondern eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit. Das zumindest sagt „finanztest“. Die Zeitschrift hat im Januar-Heft die Beratungsqualität von 21 Banken getestet und miserable Zeugnisse verteilt. Kein einziges Institut bekam das Qualitätssiegel „gut“ oder „sehr gut“. Die „besten“ 3 Banken bekamen „befriedigend“, 16 Banken Note 4 und zwei sogar „mangelhaft“.

Noch schockierender ist eine im Dezember veröffentlichte Studie der Gewerkschaft „verdi“. 3.800 Bankberater ließen hier Dampf ab. Danach muss man die Ankündigung der Banken, künftig bescheidener zu sein und Kunden objektiver zu beraten, als pure Heuchelei empfinden. Berater berichten, dass ihre Verkaufsziele täglich(!) geprüft werden. Wer mittags noch keine neuen Anlageprodukte verkauft habe, bekomme Druck von oben und müsse schleunigst am Nachmittag noch einen geschlossenen Fonds oder ein paar Bausparverträge an den Mann bringen. So würden nicht die Produkte empfohlen, die für den Kunden gut sind, sondern die provisionsträchtigsten. Zitat eines Bank-Beraters: „Ich würde keiner Bank vertrauen. Keiner!!!“

Wem sollen Sie dann überhaupt noch vertrauen? Klare Antwort: Nur sich selbst. Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich selbst kundig zu machen. Doch wir haben auch eine gute Nachricht für Sie: Geld ertragreich anzulegen, ist viel einfacher, als es die Bankberater behaupten. Die Lektüre des folgenden Textes kostet Sie 15 Minuten, kann Ihnen aber in den nächsten 20 Jahren einen sechsstelligen Rendite-Betrag zusätzlich bringen.

 

Drei Gründe, warum viele auf Dauer keine erfolgreiche Geldanlage schaffen


Die Finanzkrise hat viele Geldanleger verunsichert. Manche haben frustriert Ende 2008 alles verkauft, nur um jetzt zu sehen, dass der DAX seit dem Tiefpunkt im März 2009 schon wieder um 65 Prozent gestiegen ist.

Hätte man solche Geldvernichtung vermeiden können?
Klare Antwort: Ja. Dazu wäre es nur notwendig gewesen, sich an den berühmten Satz des Milliardärs Frank Templeton zu erinnern: „Der teuerste Satz der Investment-Geschichte: Dieses Mal ist alles anders.“ Crashs kommen immer wieder vor und gehören zur Börse wie das Gewitter zum Hochsommer. Das Beste wäre gewesen, ganz einfach nichts zu machen und investiert zu bleiben. Und zwar immer. Kaufen und halten - ganz konsequent.

Warum haben viele von uns nicht die mentale Kraft dazu?

1. Weil Finanzmedien in Krisen gerne zu hektischem Aktionismus raten, um ihre Auflage zu steigern.
2. Weil Anlageberater in jeder Krise - und in der Zeit danach - eine Chance sehen, die Depots ihrer verunsicherten Kunden endlich mal ordentlich umzuschichten.
3. Weil uns der Hauptfeind der guten Geldanlage regelmäßig im Badezimmerspiegel begegnet: wir selbst. Gier und Angst machen uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung, wenn wir an der Börse erfolgreich sein wollen. Im Boom befallen uns Gier und Selbstüberschätzung und im Crash blanke Panik. Ergebnis: Wir stoßen alles mit 30 Prozent Kursverlust ab und verwandeln Buchverluste in echte Verluste.

Wer Erfolg an der Börse will, der muss zuallererst souverän werden. Dazu ist kein Detailwissen über einzelne Aktien und Optionsscheine notwendig - im Gegenteil, dieses ist sogar völlig überflüssig. Von großem Nutzen ist aber die Einsicht in ein paar Grundprinzipien.

Die gute Nachricht: Geldanlegen ist einfacher, als viele denken. Einfacher, als es uns Banker und Anlageberater glauben machen wollen. Diese verkomplizieren das Thema oft mit Absicht, um uns Anlegern zu suggerieren, dass man ohne sie nicht weiterkomme.


Warum es sich lohnt, sich mit Geldanlagen auszukennen


Was wird aus 100.000 Euro in 10, 20 oder 30 Jahren? Die explosive Macht des Zinseszinseffektes ist verblüffend. Und 10 Prozent jährliche Rendite sind im Schnitt durchaus möglich (mehr dazu unten). Wollen Sie sich auf Dauer wirklich mit Tagesgeldzinsen zufrieden geben?

 Rendite p. a.
2 %  4 %
 6 %
 8 %
 10 %
 Start mit ... Euro
 100.000  100.000  100.000  100.000  100.000
 10 Jahre
 121.899  148.024  179.085  215.892  259.374
 20 Jahre
 148.595  219.112  320.714  466.096  672.940
 30 Jahre
 181.136  324.340  574.349  1.006.266 1.744.940

 

Sollte man wegen der Rendite sein ganzes Geld in Aktien stecken?


Das hängt vor allem von 2 Faktoren ab: Von der Risikoneigung und von der Anlagedauer.

Anlagehorizont:
Bis 3 Jahre ist die Sache einfach: Wer sein Geld (oder einen bestimmten Teil davon) in 3 Jahren oder weniger wieder braucht (z. B. zum Hausbau), darf (von diesem Teil) maximal 10 Prozent in Aktien stecken. 90 bis 100 Prozent müssen in Geldmarktfonds, Festgelder oder kurzfristige Staatsanleihen wandern. Ab 3 Jahren Anlagehorizont sollte dann der Aktienanteil ansteigen, auf bis zu 100 Prozent Aktienteil ab einem Anlagehorizont ab 10 Jahren. Doch auch jemand, der das Geld 10 Jahre oder länger nicht braucht, sollte sich selbst kritisch befragen, ob er wirklich ausreichend starke Nerven hat, um den nächsten Crash an der Börse (der mit Sicherheit kommt, den aber niemand exakt voraussagen kann) durchzustehen.

Damit sind wir bei der Risikoneigung:
Rendite und Risiko hängen untrennbar miteinander zusammen.
Wer behauptet, Sie könnten hohe Renditen bei niedrigem Risiko haben, der will Sie über den Tisch ziehen.

Was ist Risikotoleranz?


„Risikotoleranz ist ein Maß dafür, welche Preisschwankungen und welchen Wertverlust Ihrer Anlagen Sie ertragen können, bevor Sie Ihr Verhalten ändern.“ (Prof . Richard Ferri, CEO Portfolio Solutions, LLC). Das Fatale ist, dass man in Börsenaufschwungzeiten eben diese Risikotoleranz überschätzt.

Seien Sie also ehrlich zu sich selbst: Wie viel Wertverlust Ihrer Anlagen innerhalb von 2 Jahren könnten Sie während eines Börseneinbruchs ertragen?


max. Wertverlust kumuliert über 2 Jahre

45%
40%
36%
30%
25%
16%
14%
11%
7%
3%


 Anteil risikofreie Anlage

 0%
 10%
 20%
 30%
 40%
 50%
 60%
 70%
 80%
 90%

 
Anteil Aktien

 100%
 90%
 80%
 70%
 60%
 50%
 40%
 30%
 20%
 10%


Quelle: Kommer, Gerd, „Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs”

Wenn Sie nun zu dem Schluss kommen, dass Sie Ihr Geld 10 Jahre lang nicht brauchen und innerhalb von 2 Jahren maximal 30 Prozent Wertverlust ertragen könnten, dann könnte Ihr Portfolio in etwa so aussehen: 30 Prozent risikofreie Anlage, 70 Prozent Aktien. Das mit den risikofreien Anlagen lässt sich nun relativ leicht „erledigen“: Sie investieren diesen Teil in Tagesgelder, Festgelder, Sparkonten und deutsche Staatsanleihen mit maximal dreijähriger Laufzeit, um das Kursrisiko zu meiden.

Schwierig wird es mit dem Aktienanteil: Welche Aktien soll man kaufen? Wie findet man die Besten? Wann soll man einsteigen? Von der Beantwortung dieser Fragen lebt eine Milliardenindustrie. Vermögensberater, Anlagevermittler und die Finanzmedien, die täglich mit immer neuen heißen Aktientipps aufwarten und Ihnen sagen, was Sie kaufen, halten oder verkaufen sollen. Aber: Diese Ratgeber (Börsenbriefe, Anlegermagazine, Bankberater) sind mit größter Vorsicht zu genießen. Denn kein Börsentelegramm und kein Anlageberater kann zuverlässig die Frage beantworten, welche Aktien gerade besonders profitabel sind. Und niemand kann Ihnen zuverlässig sagen, wann Sie am besten einsteigen sollen.

Alldiese (untauglichen) Versuche, diese Fragen zu beantworten, sind Bestandteile von aktiven Anlagestrategien. Und alle aktiven Anlagestrategien funktionieren auf Dauer einfach nicht zuverlässig.


Was bedeutet aktive Geldanlage?


Der Investmentexperte Gerd Kommer definiert das so: Aktives Anlagemanagement ist der Versuch, auf der Basis einer bestimmten Anlagestrategie eine „Überrendite“ (neudeutsch „Outperformance“) zu erzielen. Also eine höhere Rendite als der Durchschnitt der übrigen Marktteilnehmer, gemessen an einem Referenzindex. Anders formuliert: Es ist der Versuch eines einzelnen Investors oder Fondsmanagers, Wertpapiere oder ganze Marktsegmente zu identifizieren, die die restlichen Marktteilnehmer (vermeintlich) vorübergehend unterbewertet haben. Sobald der restliche Markt seinen „Irrtum“ erkennt und korrigiert, kann der Investor/Fondsmanager - so die Vorstellung - einen Gewinn realisieren.

Warum schafft man es nicht zuverlässig, mit aktiver Anlage überdurchschnittliche Renditen zu erzielen? Warum sind sogar viele aktive Anleger (und auch Vermögensverwalter und Fondsmanager) deutlich schlechter als der Durchschnitt? Das wird Ihnen klar, wenn Sie sich die sechs schlimmsten Fehler der Geldanleger ansehen. Womöglich erkennen Sie sich selbst in dem einen oder anderen Fehler wieder.


Fehler Nr. 1: Etwas auf Kursprognosen geben: „Der Aktionär“, „Börse-Online“, „Focus-Money“, „Effecten-
Spiegel“ und viele andere Börsenzeitungen bieten jede Woche aufs Neue lange Listen von Aktien mit den
Prädikaten „Kaufen“, „Halten“ oder „Verkaufen“. Meist sogar versehen mit konkreten Kurszielen. z. B.
aktueller Kurs: 40; Kursziel 80 bis Ende 2010. Viele Anleger orientieren sich daran, denn sie trauen diesen Experten mehr Wissen zu als sich selbst.

Die Wahrheit ist: Die Erfolgsbilanz dieser Prognosen ist sehr mäßig. Natürlich landen die Medien immer mal wieder Treffer und dann steht z. B. auf dem Titelblatt des Effecten-Spiegel „Dialog Semiconductor seit Kaufempfehlung + 919 %“. Wer hätte so etwas nicht auch gerne im Depot? Leider finden sich die Kursprognosen und Kaufempfehlungen, die völlig daneben lagen, nicht auf dem Titelblatt der Zeitschriften. Es ist logisch, dass jeder seine Erfolge, also die wenigen richtigen Prognosen, aggressiv vermarktet und über die falschen lieber diskret den Mantel des Vergessens ausbreitet. Das Ganze erinnert an Berichte über glückliche Lottogewinner unter der Schlagzeile „So schön kann man leben, wenn man im Lotto gewinnt“. Über die Millionen Lottospieler, die nichts gewonnen haben, wird nichts berichtet. Die Finanzwissenschaft ist sich einig: Es ist nicht möglich, planmäßig ausbeutbare Prognosen für einzelne Wertpapiere zu erstellen. Kein  einziger Prognostiker von weltweit Tausenden hat z. B. den New-Economy-Crash richtig vorhergesagt.


Fehler Nr. 2: „Stock-Picking“ betreiben: „Stock-Picking“ bedeutet „Aktien-Auswahl“. Der Anleger versucht bei dieser Strategie, Aktien für sein Depot auszuwählen, die er für „unterbewertet“ hält. Der Markt, das heißt, Tausende von anderen Börsianern, waren also „zu dumm“, den echten Wert dieser Aktie zu erkennen und verkaufen diese Aktien unter Preis. Der Stock-Picking-Anleger ist jedoch - in seiner Annahme -  klüger als die anderen, erkennt den echten Wert der Aktie und kauft sie „billig“. Nun muss jedoch das zweite Wunder passieren: Nachdem der Anleger gekauft hat, muss der Markt seinen Irrtum erkennen und den Kurs nach oben korrigieren. Jetzt verkauft unser Stock-Picker, nachdem er erkannt hat, dass der Kurs nun nicht weiter steigen wird. Soll man derartige Annahmen für realistisch halten und darauf wirklich eine Anlagestrategie aufbauen?


Fehler Nummer 3: An das richtige Timing glauben: Die Timing-Strategie geht davon aus, dass man den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg und auch für den Ausstieg an der Börse finden kann. Hört sich toll an, oder? Vor dem Crash aussteigen und dann am Tiefpunkt wieder einsteigen? Das wäre super, aber leider weiß man immer nur hinterher, was der Höhe-, und was der Tiefpunkt war.

Kommer zitiert in seinem lesenswerten Buch „Die Buy-and-Hold-Bibel“ ein interessantes Beispiel: In den 20 Jahren von 1986 bis Ende 2005 hatte der britische Index „FTSE All Share“ pro Jahr im Schnitt 11,5 Prozent Rendite nominal. Wenn man nur die besten fünf Tage weglässt (5 Tage eines 20-Jahreszeitraums), sackt die Rendite bereits auf 10,1 Prozent ab. Nimmt man die besten 25 Tage der 20 Jahre heraus heraus, bricht die Rendite dramatisch auf 6,2 Prozent ein (also um 46 Prozent).

Man sieht also: Wer ab und zu ein- oder aussteigt, riskiert, dass er ausgerechnet die besten Tage verpasst. Beispiel Crash 2008: Viele haben in Panik verkauft und mussten nun den 65-Prozent-Anstieg des DAX von der Zuschauertribüne aus verfolgen. Finanzökonomen haben das Thema bis zum Exzess untersucht und in unzähligen Studien bewiesen, dass niemand ausreichend zuverlässig und profitabel Market-Timing betreiben kann.


Fehler Nummer 4: Sich an historischen Renditen orientieren:
Das ist ein Fehler, der absolut menschlich ist. Um ihn zu vermeiden, muss man sich hier Lebenserfahrungen über Bord werfen, die sonst immer zutreffen: „Wenn mein Zahnarzt in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet hat, wird er das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft tun. Wenn ich im Restaurant XY immer gut gegessen habe, kann ich dort auch heute Abend hingehen und werde voraussichtlich nicht enttäuscht werden usw. …“

Bei Fondsmanagern ist das leider nicht so. Wenn ein Investmentfonds in einem beliebigen Vergangenheitszeitraum überdurchschnittliche Performance erwirtschaftet hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das auch in Zukunft leisten wird, unter 50 Prozent. Das ist wieder und wieder untersucht worden mit dem Ergebnis: Die bisherige Performance lässt nur einen minimalen Rückschluss auf die zukünftige Performance zu. Es kann schon sein, dass der gute Aktienfonds der Vergangenheit auch in Zukunft gut abschneiden wird, mit größerer Wahrscheinlichkeit wird es aber eben gerade nicht so sein. Eine zuverlässige Prognose ist aus Vergangenheitszahlen nicht möglich.

Deshalb steht auch als Risikohinweis unter den meisten dieser Hitlisten:
„Bisherige Renditen lassen keinen Rückschluss auf künftige Erträge zu.“ Daher sind auch die Fonds-Bewertungen von Stiftung Warentest, Morningstar usw. insofern wertlos, als sie eben auch nur bisherige Performance bewerten, aber nutzlos sind für die Auswahl von Fonds, die in Zukunft erfolgreich laufen sollen. Der amerikanische Finanzökonom Burton Malkiel dazu: „Ich garantiere Ihnen, dass weder heute noch in der Zukunft eine Methode existieren wird, mit der Sie vorhersagen können, welcher Aktive Investmentfonds künftig im Top-25-Segment liegen wird.“


Fehler Nummer 5: Ein gutes Unternehmen für eine gute Aktie halten: Auch dieser Irrtum ist nur allzu verständlich. Eine Anlegerzeitschrift weist uns darauf hin, dass die XY AG eine tolle Eigenkapitalquote hat, enorme Umsatzrendite und fantastische Zukunftaussichten. Zweifellos ein hervorragendes Unternehmen! Aber deswegen noch lange keine gute Aktie.

Hier ein Beispiel: Sie suchen für Ihren Sohn einen 5 Jahre alten 75-PS-Golf. Es stehen zwei zur Auswahl. Der eine steht top gepflegt und blitzblank poliert bei einem seriösen VW-Händler, der andere steht etwas verlottert in der Garage eines Rentners. Welcher ist der bessere Kauf? „Kommt auf den Preis an!“ werden Sie sagen. Genau. Wenn das schöne Auto 13.000 Euro kostet und der hässliche 8.000 Euro, kann es sein, dass letzteres der bessere Kauf ist.

Bei Aktien ist es genauso. Das schlechte Unternehmen kann die interessantere Aktie sein - und umgekehrt - doch es fällt vielen Anlegern schwer, das zu akzeptieren. Dass ein Unternehmen solide ist, ein anderes sehr wacklig da steht: alles schon im Kurs eingepreist.


Fehler Nummer 6: Auf Bankberater oder „Private Banking“ vertrauen: Der normale Bankberater steht in einem Interessenskonflikt und kann Sie gar nicht objektiv beraten. Er hat Umsatzvorgaben von seinem Arbeitgeber und muss Provisionen verdienen. Die miserable Beratungsqualität von Banken hat die Stiftung Warentest ja wieder einmal bewiesen.

Manch ein vermögender Kunde wähnt sich freilich privilegiert, weil er Kunde beim „Private Banking“ ist - ein exklusiver Klub, den viele Banken erst ab einer Million Minimum-Vermögen öffnen. Die Exklusivität besteht allerdings im Wesentlichen in der edlen Möblierung der Kundenräume und den tollen Events, zu denen man eingeladen wird. Diesen enormen Aufwand, der dort getrieben wird, muss irgendwer bezahlen. Sie ahnen, wer das ist? Das sind Sie. Schätzen wir diese Kosten auf 3 Prozent pro Jahr. Die Privat-Banking-Abteilung müsste Ihnen also im Schnitt zuverlässig und reproduzierbar 15 Prozent Rendite pro Jahr schaffen, um den langfristigen Aktien-Schnitt von 12 Prozent soweit zu übertreffen, dass Sie zumindest wieder in Höhe des Index liegen.

Einige private Banking-Abteilungen schaffen das. Jedes Jahr. Aber kaum jemals dieselbe Bank zweimal hintereinander. Die Zusammensetzung dieses edlen Clubs der wenigen Vermögensverwalter, die einen Mehrwert für ihre enormen Kosten liefern, ändert sich jedes Jahr. Auch das Münchner Forschungsunternehmen FondsConsult Research AG stellt in seinem „Vergleich der großen Vermögensverwalter 2009“ fest: „Markt-Benchmarks (…) konnten im kurzen Vergleich durchweg nicht geschlagen werden.“


Passives Investieren in ein Weltportfolio mit „allen“ Aktien


Aktives Investieren heißt: Den Markt schlagen wollen durch Auswahl von Einzelaktien, durch Timing und durch vielerlei andere Strategien. Passives Investieren heißt dagegen: Alle diese (ohnehin in der Regel zum Scheitern verurteilten) Versuche, eine Überrendite zu erreichen, bleiben lassen. Also keine Auswahl von Aktien, kein aktives Fondsmanagement, kein Timing. Passive Strategie bedeutet:
- Investition direkt in den Index (statt in Einzelwerte),
- optimale weltweite Streuung (um das Risiko zu minimieren),
- Investition in Indexfonds statt in aktiv gemanagte Investmentfonds,
- minimale Kosten,
- radikales „Buy and Hold“ (Kaufen und Halten).

Anleger mit dieser Strategie gehören auf Dauer zu den 10 Prozent der erfolgreichsten Anleger. Zu den einzelnen Elementen:

1. Investition direkt in den Index: Da es nicht möglich ist, durch aktive Strategien auf Dauer zuverlässig und vorhersehbar den Index zu übertreffen, investieren Sie direkt in den Index, also in den DAX, den Standard
& Poors 500 (der Dow Jones ist zu eng gefasst), den MSCI World (MSCI = Morgan Stanley Capital Index) und so weiter.

2. Optimale weltweite Streuung: Viele Anleger orientieren sich zu sehr am Heimatmarkt. So setzen zahlreiche Deutsche z. B. vorwiegend auf deutsche Aktien. Weltweite Anlage und nach verschiedenen Anlageklassen (Asset Allocation) bringt jedoch zahlreiche Vorteile mit sich: Da bei einem Abschwung nicht immer alle Anlageklassen gleichermaßen nach unten gehen, gewinnt man so mehr Sicherheit - und mehr Rendite zugleich.

3. Indexfonds, Indexaktien und ETFs: Das sind börsenhandelbare passive Anlageprodukte. Dies bedeutet, dass sie sich darauf beschränken, einen bestimmten Index abzubilden. Eine Strategie, um den Markt zu übertreffen, wird nicht verfolgt. „ETF“ steht für „exchange traded Fund“. Das ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird. Im Gegensatz zu normalen Investmentfonds, die man nur direkt bei der Fondsgesellschaft bzw. über einen Vermittler/Bank kaufen kann.

4. Minimale Kosten: Normale aktive Investmentfonds berechnen 1 bis 2 Prozent Managementgebühren,
passive Indexfonds nur etwa 0,4 bis 0,6 Prozent. Vernachlässigen Sie diesen Unterschied nicht. Beispiel: Sie investieren 100.000 Euro 30 Jahre lang in einen Markt mit 10 Prozent Rendite. Bei 2 Prozent jährlichen Kosten bleiben 8 Prozent, bei 0,5 Prozent bleiben 9,5 Prozent. Im ersten Fall wird aus Ihren 100.000 Euro eine Million, im zweiten 1,5 Millionen.

5. Radikales Buy ans Hold: Das Kernelement der passiven Strategie ist es, dass es eben nicht dauerhaft zuverlässig möglich ist, durch aktive Auswahl den Markt zu schlagen. Die Konsequenz bedeutet: Kaufen und liegen lassen und zwar sehr lange - in der Regel, bis das Geld für eine Ausgabe (z. B. Hauskauf) oder im Ruhestand verbraucht wird. Was für manche schwer zu akzeptieren ist: Auch im Crash wird „Buy and Hold“ weiterbetrieben. Wer immer (und „immer“ heißt „immer“) investiert bleibt, hat auf Dauer die höhere Rendite.

Sie ermitteln also zunächst, wieviel Risiko Sie tragen können und wollen: Angenommen, Ihr Anlagehorizont  und Ihre Riskoneigung lassen eine Verteilung risikofrei:risokobehaftet in Höhe von 30:70 zu.

Die risikofreien 30 Prozent investieren Sie zur Gebührenreduzierung am besten in kurzlaufende Bundesschatzbriefe und legen online ein kostenloses Depot (www.deutsche-finanzagentur.de) an. Die 70 Prozent verteilen Sie auf ein Weltportfolio, das breit gestreut ist. Streuung (in der Fachsprache „Diversifikation“ genannt) ist die einzige Methode, um gleichzeitig die Rendite zu erhöhen und das Risiko zu senken.

Wir haben in dem folgenden Portfolio auf einen ausgewogenen Mix aus großen und kleinen Anlageklassen (auch Asset-Klassen) geachtet, d. h. Industrieländer und Schwellenländer, große und kleinere Gesellschaften
(Growth und value), und zu einem kleinen Teil setzen wir auf Rohstoffe, weil diese oft bei einem Aktienabschwung nach oben tendieren - und dadurch quasi wie ein Stoßdämpfer wirken.

 

Asset Klasse
   Prozent der Anlage  
Aktien Industrieländer
Large Caps Value USA/Nordamerika
 10 %
     Westeuropa  10 %
     Japan/AUS  5 %
   Small Caps
 USA/Nordamerika  10 %
     Westeuropa  15 %
     Japan/AUS  5 %
 Aktien Schwellenländer
(Emerging Market)
     25 %
 Immobilien weltweit
     10 %
 Rohstoffe      10 %
 Summe      100 %


Links zu Anbietern von ETFs:

www.dbxtrackers.de

www.lyxoretf.de

de.ishares.com

www.comstage.de

www.etflab.de

www.quirinbank.de
 


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