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21.12.2016

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Wie man das negative Eigenkapital bei einer GmbH & Co KG verschwinden lässt

Viele GmbH & Co KGs bzw. KGs quälen sich mit einem negativen Eigenkapital herum. Ein solches hat viele Nachteile:

• Verluste der KG kann man nur dann mit anderen positiven Einkünften verrechnen, wenn das Kapital positiv ist. Ist es jedoch negativ, werden die Verluste nur „statistisch“ festgehalten und können allenfalls mit späteren Gewinnen verrechnet werden. (§ 15a EStG)

• Grundsätzlich drohen bei negativem Eigenkapital immer Überschuldung und Insolvenzgefahr.

• Vielen Unternehmern ist es peinlich, eine Bilanz mit Minuskapital im Unternehmensregister im Internet zu veröffentlichen.

• Wirtschaftsauskunfteien (z. B. Creditreform oder Bürgel) können bei einer schlechten Bilanz die Bonitätsnote herabstufen.

• Bei der Bank bekommt man mit negativem Kapital schlechter Kredite – oder gar keine mehr.


Wie bekommt man das negative Eigenkapital weg?

1. Einlagen des Kommanditisten: Der Kommanditist kann Verluste ausgleichen bis zu seinem steuerlichen Kapital in der Steuerbilanz der KG (Achtung: Sonderbetriebsvermögen zählt nicht mit!). Eine Einlage zählt nur, wenn sie tatsächlich geleistet wurde. Es reicht nicht, sich lediglich zu verpflichten, eine Einlage zu leisten und einen Anspruch in die KG-Bilanz einzubuchen.

2. Höhere Haftsumme: Diese Methode erhöht zwar das steuerliche Verlustverrechnungspotenzial, gefährdet aber das Privatvermögen und beseitigt außerdem das negative Eigenkapital nicht.

3. Sondervergütungen reduzieren: Mieten, Geschäftsführervergütungen oder Darlehenszinsen an den Kommanditisten sind Aufwand in der KG und Sonderbetriebseinnahme beim Kommanditisten. Die Crux dabei: Steuerlich kann man beides nicht miteinander verrechnen, wenn das Kapital in der KG negativ wird. Der Kommanditist muss also diese Vergütungen versteuern, den Verlustanteil aus der KG kann er aber nicht nutzen. Tipp: Solche Sondervergütungen reduzieren! Beispiel: Der Gewinn der KG und das Kapital des Kommanditisten sind Null – vor Abzug der vereinbarten Geschäftsführer-Vergütung für den Kommanditisten K. Durch diese Vergütung (10.000 Euro pro Monat) ergibt sich ein Verlust in der KG in Höhe von 120.000 Euro und ein Gewinn in der Sonderbilanz des K in Höhe von 120.000 Euro. Folge: K muss die 120.000 Euro versteuern, den KG-Verlust kann er nicht gegen rechnen.

4. Darlehensverzicht: Haben Sie als Kommanditist Darlehen in die KG gegeben, dann verzichten Sie doch einfach darauf. Wenn das Kapital der KG negativ ist, können Sie das Darlehen sowieso nicht zurückfordern, und in einer Insolvenz wäre es so oder so verloren. Ihre Rechtsposition verschlechtert sich also nicht wirklich. Wenn Sie auf Ihre Forderungen gegen die KG verzichten, wandelt sich aber Fremdkapital in Eigenkapital um. Die Bilanz sieht nicht nur besser aus, sondern Sie erhöhen auch Ihr Verlustverrechnungspotenzial.

5. Private Schuldübernahme durch den Kommanditisten:
Falls die KG Bankschulden hat, für die sich ohnehin der Kommanditist verbürgt hat, ist es besser, er übernimmt die Schuld gleich selbst „privat“, wodurch sie aus der KG-Bilanz verschwindet und in die Sonderbilanz wandert. Die private Schuldübernahme ist möglich, sofern die Bank zustimmt. Das hat mehrere Vorteile: Die Schulden verschwinden aus der KG-Bilanz, dort steigt das Eigen¬kapital. Die Zinsen auf diese Schulden sind ab der Übernahme durch den Kommanditisten in jedem Fall abzugsfähig – also egal, ob das Kapital der KG positiv oder negativ ist. Eine wirtschaftliche Verschlechterung für den Kommanditisten ergibt sich nicht, wenn er sich ohnehin persönlich für die Schulden verbürgen musste.

Für die veröffentlichte Bilanz im Unternehmensregister gilt: Lassen Sie negatives Eigenkapital dort nicht kommentarlos – für jedermann einsehbar - im Raum stehen! Eine Musterformulierung könnte lauten: „Die Gesellschaft ist buchmäßig überschuldet. Das bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass auch Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne vorliegt. Eine Prüfung dahingehend kann nur im Rahmen einer besonderen Überschuldungsprüfung erfolgen, für die andere Bewertungsgrundsätze als die des Handelsrechts gelten. Die Geschäftsleitung hat §19 Absatz 2 InsO geprüft und festgestellt, dass keine Überschuldung in diesem Sinne vorliegt.“


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