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27.10.2006

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Was passiert bei einer Pleite der Komplementär-GmbH?

Wenn eine Komplementär-GmbH insolvent wird, bedeutet das automatisch das Ende der GmbH & Co KG. Denn die Komplementär-GmbH übernimmt die Rolle des Komplementärs. Wenn der ausfällt, stirbt die KG. Alleine mit dem Kommanditisten kann eine KG nämlich nicht weiter bestehen.

Praxisrelevant kann das in zwei Fällen werden: Zum einen, wenn die Komplementär-GmbH einen eigenen Geschäftsbetrieb hat. Zum Anderen bei der so genannten „Stern-GmbH-&-Co-KG“. Davon spricht man, wenn eine Komplementär-GmbH zwecks Kostenersparnis in mehreren GmbH & Co KGs die Komplementärfunktion übernimmt.

Beispiel: Herr Meier betreibt Autohäuser in verschiedenen Städten, die alle als eigenständige GmbH & Co KG geführt werden. Alle mit derselben Komplementär-GmbH. Nun wird die Autohaus-GmbH-&-Co-KG in München insolvent. Die Komplementär-GmbH muss als einziger Vollhafter dieser KG alle Schulden dieses Autohauses übernehmen, was sie natürlich nicht kann. Dadurch wird sie insolvent. Schlimme Folge: Alle anderen Autohaus-GmbH-&-Co-KGs werden in diesen Strudel mit hineingezogen, weil sie alle den gleichen Komplementär haben.

Interessanter Randaspekt: Kann das Finanzamt nach solch einer GmbH-&-Co-KG-Pleite eigentlich noch eine Betriebsprüfung durchführen und die Kommanditisten für Steuerzahlungen in die Haftung nehmen? Erstaunlich: Obwohl die GmbH & Co KG nach einer Insolvenz nicht mehr existiert, kann das Finanzamt noch eine Betriebsprüfung anordnen (BFH,  01.10.92, BStBl. 1993 II,  82). Eine Haftung des Kommanditisten für Steuerschulden dürfte allerdings ausgeschlossen sein, sofern er seine Kommanditeinlage voll erbracht hatte. Dieser Punkt ist allerdings noch nicht hundertprozentig geklärt.

Fazit: Die Insolvenz der Komplementär-GmbH führt zum Ende der GmbH & Co KG. Gefährdet sind hiervor allem so genannte Stern-GmbH-&-Co-KGs. Diese sollten 2007 darüber nachdenken, ob man nicht für jede GmbH & Co KG eine eigene Komplementär-GmbH einsetzt. Die Liquiditätsbelastung ist nächstes Jahr nicht mehr so groß, weil Sie dann für eine GmbH-Gründung nur noch 5.000 Euro brauchen. Allemal weniger als der Schaden bei einer unnötigen GmbH-&-Co-KG-Insolvenz.


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