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20.06.2007

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Gewerbesteuer: Anrechnung nicht verpuffen lassen

Wenn Sie Gewerbesteuer zahlen, wird Ihnen in etwa die Hälfte davon auf die Einkommensteuer angerechnet. Genau genommen ist es das 1,8-Fache des Gewerbesteuermessbetrags.

Beispiel: Die Meier GmbH & Co KG hat ihren Sitz in einer Stadt mit 400 Prozent Gewerbesteuer-Hebesatz. Der Gewerbesteuer-Messbetrag beträgt 10.000 Euro. Dann ist die Gewerbesteuer 40.000 Euro (= 10.000 x 400 Prozent). Das 1,8-Fache von 10.000 Euro, also 18.000 Euro können sich der oder die Gesellschafter von ihrer Einkommensteuerschuld abziehen.

Problem: Wenn einer gar keine Einkommensteuer zahlt - z.  B. wegen anderweitiger Verluste, Verluste des Ehegatten oder Verlustvorträgen aus dem Vorjahr - geht die Gewerbesteueranrechnung ins Leere.

Beispiel (Fortsetzung von oben): Herr Meier, der Alleingesellschafter der Meier GmbH & Co KG, hat noch einen Einkommensteuerverlustvortrag aus dem Vorjahr. Er zahlt deswegen keine Einkommensteuer. Die 18.000 Euro Anrechnung, die ihm eigentlich zustehen würden, gehen deshalb ins Leere. Eine Festschreibung oder ein Vortrag dieses „Anrechnungsüberhangs“ ist im Gesetz nicht vorgesehen.

Hiergegen ist jetzt ein Musterverfahren anhängig: Ein Unternehmer will sich nicht damit zufrieden geben, dass dieser „Anrechnungsüberhang“ einfach sang- und klanglos untergeht.

Tipp für Sie: Falls auch bei Ihnen die Gewerbesteueranrechnung mangels Einkommensteuerbelastung wertlos verpufft, sollten Sie Ihren Einkommensteuerbescheid offen halten und sich auf das Musterverfahren berufen. 

Musterformulierung: „Ich beantrage hiermit einen Feststellungsbescheid über den vortragsfähigen Anrechnungsüberhang aus der Gewerbesteueranrechnung gemäß § 35 EStG für die Jahre 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005.

Begründung: Die Gewerbesteueranrechnung ging bei mir mangels festzusetzender Einkommensteuer ins Leere. Hiergegen bestehen verfassungsrechtliche Bedenken. Ich verweise hierzu auf das vor dem BFH anhängige Verfahren X R 32/06.“

Tipp: Wenn das Finanzamt einen solchen Bescheid ablehnt (was zu 100 Prozent passieren wird), legen Sie Einspruch gegen die Ablehnung ein.

Ausblick auf 2008: Diese Rechtsfrage wird noch interessanter ab nächstem Jahr, wenn die Anrechnung von 1,8-Fachen auf das 3,8-Fache steigen soll.


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