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06.11.2007

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EXTRA: Was die neue Abgeltungsteuer für Sie bedeutet

Ab 1. Januar 2009 werden Sie mit völlig neuen Steuerregeln konfrontiert. Alle privaten Kapitalerträge werden ab 2009 mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent (plus Soli und Kirchensteuer) besteuert. Diese Abgeltunsteuer wird „an der Quelle“ abgezogen, in der Regel also von der Bank. Damit ist die Einkommensteuer abgegolten. Sie müssen die Kapitaleinkünfte dann nicht mehr in Ihrer Steuererklärung angeben.

Wann können Sie sich über die Abgeltungsteuer freuen? Wenn Sie festverzinsliche Wertpapiere bevorzugen und unter einer hohen Steuerbelastung leiden, können Sie sich auf die Abgeltungsteuer freuen. Tipp: Verschieben Sie Ihre Zinserträge möglichst in die Zeit ab 2009 durch den Kauf von Finanzierungsschätzen, Bundesschatzbriefen oder Nullkupon-Anleihen, die erst 2009 oder später fällig werden. Wir sagen Ihnen weiter hinten, wie das geht.

Wermutstropfen: Die Pauschalsteuer gilt auch für realisierte Kursgewinne aus Wertpapierverkäufen - und zwar zeitlich unbeschränkt. Im Moment sind realisierte Kursgewinne noch steuerfrei, wenn Sie sich zwischen Kauf und Verkauf noch mindestens 12 Monate Zeit lassen. Weiter hinten lesen Sie auch, was Sie deshalb jetzt beachten sollten.

Bei allen Steuermaßnahmen gilt jedoch: Lassen Sie sich von Ihrer Bank jetzt wegen der drohenden Abgeltungsteuer keine unsinnigen „innovativen“ Kreationen aufschwatzen. Denn immer noch gilt der Grundsatz: Niemals sollten Sie zur Steuervermeidung Renditechancen verschenken.

 

Tipps zu einzelnen Geldanlagen


Aktien

Wenn Sie Aktien bevorzugen, besteht für Sie nicht unbedingt Handlungsbedarf. Denn in Bezug auf die „ewige Spekulationssteuer“ gilt für Aktien Bestandsschutz. Verkaufen Sie Papiere, die Sie jetzt im Depot haben, erst in vielen Jahren, trifft Sie die die Zwangsabgabe nicht. Gewinne aus dem Verkauf von bis zum 31.12.08 gekauften Papieren können Sie auch künftig steuerfrei vereinnahmen. Voraussetzung: Sie liegen mindestens ein Jahr in Ihrem Depot.

Nur Aktien, die Sie nach dem 31.12.08 kaufen, fallen unter die neue Abgabe.


Zertifikate

Wenn Sie Zertifikate besitzen, stehen Sie unter Zeitdruck. Denn bei Zertifikaten wurde der Stichtag für die endlose Spekulationsbesteuerung ` die eigentlich erst bei Kauf ab 2009 gelten soll - vorverlegt. Zertifikate unterliegen dieser endlosen Spekulationsbesteuerung jedoch bereits, wenn Sie diese nach dem 14.03.07 gekauft haben und nach dem 30.06.09 verkaufen.

Das heißt: wenn Sie seit Mitte März 2007 Zertifikate gekauft haben, sollten Sie diese zwischen Mitte März 2008 und Ende Juni 2009 wieder verkaufen, wenn Sie sich einen steuerfreien Veräußerungsgewinn sichern wollen.

Bei Zertifikaten, die Sie schon vor dem 15.03.07 gekauft haben, gilt die normale Regelung: Der steuerfreie Verkauf ist nach 12 Monaten Haltedauer möglich - und dann zeitlich unbegrenzt. (§ 52a Abs. 10 Satz 8 EStG)


Bundesschatzbriefe

Finanzierungsschätze des Bundes werden mit einem Abschlag von ihrem Fälligkeitswert ausgegeben. Diese Differenz ergibt die Rendite.

Vorteil: Sie versteuern den Ertrag erst im Jahr der Fälligkeit. Tipp: Wählen Sie daher die zweijährige Variante. Hier fließt Ihnen der Rückzahlungswert erst 2009 auf Ihr Konto. Und auch erst dann ist er von Ihnen zu versteuern. Und zwar mit pauschal 25 Prozent statt wie jetzt bis zu 42 oder gar 45 Prozent.


Null-Kupon-Anleihen

Genauso wie Bundesschatzbriefe eignen sich so genannte Null-Kupon-Anleihen - auch Zerobonds genannt - für die Verschiebung Ihrer Zinsen in die Zeit der günstigen Abgeltungssteuer. Null-Kupon-Anleihen notieren an der Börse weit unter ihrem Nominalwert, weil sie keine Zinsen abwerfen. Die Rendite besteht wie bei den Bundesschatzbriefen aus dem Unterschied zwischen dem aktuellen Börsenwert und dem Nennwert bei Fälligkeit der Anleihe. Allerdings gibt es nicht besonders viele dieser zinslosen Papiere. Einen Überblick finden Sie im Internet unter www.bondboard.de.

Beispiel: Sie kaufen 10 unverzinsliche Zero-Bonds der Landesbank Hessen-Thüringen (ISIN DE000HLB0EJ8) zu je 1.000 Euro nominal. Der Kurs steht jetzt bei 86,53 Prozent. Das heißt, Sie bezahlen für diese Anleihen 8.653 Euro und bekommen am 11. Januar 2011 (dem Fälligkeitstag) 10.000 Euro zurück. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 4,57 Prozent. Die Abgeltungssteuer wird erst 2011 abgezogen.


Niedrigverzinsliche Anleihen

Eine Alternative für Sie können auch sehr niedrigverzinsliche Anleihen sein. Auch diese notieren weit unter 100 Prozent, um ihr Zinsmanko im Vergleich zu verzinslichen Anleihen wettzumachen. Wenn Sie sich jetzt derartige Papiere kaufen, müssen Sie in Ihrer 2008er-Steuererklärung nur ganz niedrige Zinsen angeben. Den Löwenanteil der Zinsen kassieren Sie unter der Herrschaft der günstigen Abgeltungssteuer.


Lebensversicherungen

Altverträge (vor 31.12.04 abgeschlossen) bleiben steuerfrei. Voraussetzung: Mindestvertragsdauer 12 Jahre, mindestens 5-jährige Beitragszahlung, 60 % Mindesttodesfallschutz.

Bei Neuverträgen (Abschluss ab 2005) müssen Sie nur die Hälfte des Gewinns versteuern. Voraussetzung: 12-jährige Vertragsdauer, Auszahlung nach dem 60. Geburtstag. Zu versteuern ist dann allerdings mit Ihrem individuellen Steuersatz. Gleichwohl werden bei Auszahlung erst einmal 25 Prozent auf den Gewinn einbehalten, die aber im Steuerbescheid angerechnet werden.


Immobilienfonds

Im Gegensatz zu Zinsinvestments behalten Immobilien ihre Spekulationsfrist von zehn Jahren.

Vorteil: Verkauft also ein Fonds nach zehn Jahren ein Objekt mit Gewinn und schüttet ihn aus, fällt beim Anleger keine Abgeltungsteuer an.

Zweiter Vorteil: Ausschüttungen von nicht-steuerfreien Gewinnen werden ab 2009 nicht mehr mit dem persönlichen Steuersatz, sondern „nur“ mit Abgeltungsteuer belastet.


Investmentfonds

Bevorzugen Sie Investmentfonds? Dann sollten Sie Ihren Fondsbestand jetzt überdenken. Sie sollten rechtzeitig vor 2009 umschichten in Fonds, die man langfristig halten kann. Tabu sollten für Sie kurzlebige Modefonds und solche mit begrenztem Anlagehorizont sein.

Warum? Da solche Fonds meist rasch wechselnden Trends unterliegen, müssen sie häufiger umgeschichtet werden als breit gestreute Investments. Ab 2009 kosten solche Umschichtungen aber Abgeltungsteuer. Nur Ihre vor 2009 gekauften Fondsanteile genießen Bestandsschutz.

Bereits mit dem ersten Verkauf nach 2008 geht der Bestandsschutz aber für immer verloren. Nur Investmentanteile, die Sie bis Ende 2008 kaufen, können Sie später steuerfrei veräußern.

Wenn Sie sich länger die Möglichkeit sichern wollen, Kursgewinne ohne Abgeltungsteuer zu realisieren, kaufen Sie vor 2009 Mischfonds. Deren Anlageuniversum reicht von A bis Z, von Aktien bis Zinstiteln. Vorteil für Sie als Anleger: Umschichtungen innerhalb des Fondsvermögens lösen keine Abgeltungsteuer aus. Erlöse stehen immer komplett zur Wiederanlage zur Verfügung. Werden Sie hingegen als Direktanleger aktiv, müssen Sie bei jeder Gewinnmitnahme 25 Prozent des Profits abgeben.

Vorteilhaft sind auch Dachfonds, die sich jedem Börsentrend anpassen können. Denn auch diese sind optimal geeignet, Ihren Bestandsschutz über 2007 hinaus zu retten. Denn Dachfonds halten ihrerseits wieder Anteile an anderen Investmentfonds und so lösen Umschichtungen innerhalb des Fondsvermögens keine Abgeltungsteuer aus.

Vorteil für die Eigner von Misch- und Dachfonds: Sie können die Papiere über alle Höhen und Tiefen der Kapitalmärkte im Depot halten. Verkauft wird erst, wenn Sie Geld brauchen.

Sparpläne

Eine hervorragende Möglichkeit, um langfristig Geld anzusparen, war bisher das Investmentsparen. Hier zahlen Sie jeden Monat eine feste Rate in einen Investmentfonds und bekommen dementsprechend Anteile gutgeschrieben. Wer so etwas 20 oder 30 Jahre durchhält, konnte damit rechnen, dass aus seinen Einzahlungen bis dahin das Drei- oder Vierfache wurde. Und das weit gehend steuerfrei, weil nur die laufenden Ausschüttungen zu versteuern waren, nicht aber der Wertzuwachs.

Das ändert sich ab 2009 drastisch: Alle Anteile, die Sie ab 2009 neu ansparen, unterliegen der ewigen Spekulationsbesteuerung. Das heißt: von dem Wertzuwachs Ihrer Anlage müssen Sie 1/4 an das Finanzamt abgeben, wenn Sie die Fonds im Alter verkaufen. Das kann die Rendite erheblich schmälern.

Eine clevere Alternative sind daher fondsgebundene Rentenverträge. Das sind private Rentenversicherungen, die das angesparte Geld ihrerseits in Investmentfonds anlegen. Steuerlicher Vorteil: in der Ansparphase sind solche Rentenversicherungen überhaupt nicht steuerpflichtig. Und in der Auszahlungsphase unterliegen bei Rentenbeginn mit 65 Jahren nur 18 Prozent der Auszahlungen der Steuer. Wohlgemerkt: Es wird nicht etwa eine 18-prozentige Steuer fällig, sondern nur 18 Prozent der Rente müssen Sie überhaupt in Ihrer Steuererklärung angeben. Wenn Sie im Alter z. B. nur noch einen Grenzsteuersatz von 25 Prozent haben, werden gerade mal 4,5 Prozent Steuer auf Ihre Rente fällig, während beim Verkauf von Investmentfonds 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig würden.

Die besten Anbieter: Cosmos, Interrisk, WGV, debeka und Europa.



Rürup-Rente

Solche privaten Rentenversicherungen fallen nicht unter die Abgeltungsteuer. Rürup-Renten sind ebenfalls private Rentenversicherungen, die aber anders als normale Rentenversicherungen nicht kapitalisiert, nicht beliehen und nicht vererbt werden können. Ausschließlich eine lebenslange Rente ist zulässig.

Vorteil: Einzahlungen sind bis zu 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro) pro Jahr steuerlich abzugsfähig (derzeit, d. h. im Jahr 2007, wirken sich aber nur 64 Prozent der Einzahlungen steuerwirksam aus). Und für Selbstständige ist neuerdings ein gewisser Pfändungsschutz für einen Teil der Guthaben möglich. Nachteil: Auszahlungen in der Ruhestandsphase sind voll steuerpflichtig, Auszahlungen aus „normalen“ Rentensparplänen hingegen sind zu 82 Prozent steuerbefreit.

Die besten Anbieter: Cosmos, Interrisk, WGV, debeka und Europa.

 

Weitere Neuerungen der Abgeltungsteuer


Freistellungsauftrag: Diesen können Sie - unter denselben Voraussetzungen wie jetzt auch - künftig stellen.

Kein Werbungskostenabzug mehr: Diese Einschränkung ist besonders schlimm, wenn Sie Kapitalanlagen oder GmbH-Beteiligungen mit Kredit finanziert haben. Abgezogen wird lediglich ein Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro, für Verheiratete in Höhe von 1.602 Euro.

Individuelle Veranlagung bei niedrigem Steuersatz möglich: Wer wegen geringer Einkünfte einen persönlichen Steuersatz von unter 25 Prozent hat, kann die Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung angeben. Dann wird der persönliche Steuersatz fällig und die Abgeltungssteuer gibt's zurück.

Spekulationsgewinne: Die Pauschalsteuer gilt auch für realisierte Kursgewinne aus Wertpapierverkäufen für ab 2008 gekaufte Papiere. Im Moment sind diese noch steuerfrei, sofern Sie sich zwischen Kauf und Verkauf noch mindestens 12 Monate Zeit lassen. Was passiert mit alten Spekulationsverlusten? Diese können Sie bis zum Jahr 2013 mit neuen Spekulationsgewinnen verrechnen. Eine Verrechnung mit Dividenden oder Zinsen- wie ursprünglich geplant - gibt es jetzt doch nicht.

 

`nderungen bei betrieblichen Beteiligungen und GmbH-Anteilsverkäufen

Betriebliche Beteiligungen: Die Abgeltungsteuer gilt nur für Wertpapiere und Beteiligungen im Privatvermögen. Wertpapiere und GmbH-Beteiligungen in einem Betriebsvermögen sind hingegen nicht betroffen. Hier werden pauschal 60 Prozent der Erträge besteuert. 40 Prozent bleiben steuerfrei.

 

Abgeltungsteuer - FAQ

Wie wird das mit dem Soli? Dieser kommt zur 25-prozentigen Abgeltungsteuer noch dazu. Der tatsächliche Abzug beträgt durch die Bank beträgt also 26,375 Prozent.

Was wird aus der Kirchensteuer? Zusätzlich zur Abgeltungsteuer muss die Bank auch die Kirchensteuer einbehalten, wenn Sie in der Kirche sind. Da die Kirchensteuer als Sonderausgabe abzugsfähig ist, berechnet sich dann die Abgeltungssteuer wie folgt: 1 geteilt durch (4 + Kirchensteuersatz). Beispiel: Die Kirchensteuer ist in Bayern 8 Prozent. Damit ist die Abgeltungssteuer dann statt 25 Prozent: 1/4,08 = 0,245 oder 24,5 Prozent. Hierauf kommen 5,5 Prozent Soli und 8 Prozent Kirchensteuer. Insgesamt werden dann 27,8 Prozent abgezogen.

Gilt die Abgeltungsteuer wirklich für alle Kapitalerträge? Nein, in zwei Hauptfällen gilt sie nicht.

1. Sie gilt nicht für Darlehen unter nahe stehenden Personen sowie bei GmbH-Gesellschafterdarlehen. Solche Darlehenszinsen müssen Sie mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Dafür darf man aber hier auch noch Werbungskosten absetzen. Beispiel: Frau X leiht der Firma ihres Mannes 100.000 Euro und bekommt dafür jährlich 7.000 Euro Zinsen. Kein Fall für die Abgeltungssteuer, sondern wie bisher individuell zu versteuern.

2. Sie gilt auch nicht für Kapitalanlagen im Betriebsvermögen. Hier sind in Zukunft 60 Prozent der Zinseinnahmen steuerpflichtig. Dividenden, die eine GmbH bezieht, sind voll gewebesteuerpflichtig, aber wie bisher zu 95 Prozent KSt-befreit.

Kann ich in Zukunft Spekulationsverluste mit Zinsen verrechnen? Nein, auch wenn beides künftig unter die Abgeltungsteuer fällt. Spekulationsverluste kann man nach wie vor nur mit Spekulationsgewinnen verrechnen. Die Chance, dass es dazu kommt, ist allerdings künftig viel höher, weil die Spekulationsteuer bei Anschaffung ab 2009 ewig gilt.

Bleibt es bei Freistellungsauftrag und Nichtveranlagungsbescheinigung? Ja. Beide Instrumente behalten ihre Gültigkeit.

Gilt die Abgeltungsteuer auch für Veräußerungsgewinne bei Immobilien? Nein. Hier bleibt es bei der zehnjährigen Spekulationsfrist und bei der individuellen Versteuerung.

Welche Anlageform profitiert am meisten von der Abgeltungsteuer? Festverzinsliche Wertpapiere und Rentenfonds, da sich die Steuerbelastung auf Zinsen fast halbiert.

Welche Anlageform leidet am meisten unter der Abgeltungsteuer? Fonds- und Aktiensparpläne, weil 1/4 der Wertsteigerung der Anteile (die ab 2009 angespart werden) in Zukunft futsch ist.

Was sollte man vor 2009 tun? Festverzinsliche Papiere umtauschen in solche, bei denen der Zins erst ab 2009 fällig wird. Aktien in solche umschichten, die man langfristig halten kann, denn Anschaffungen bis Ende 2008 genießen für immer Bestandsschutz. Das heißt: keine Spekulationssteuer bei Haltedauer ab 12 Monaten. Kurzlebige Mode-Investmentfonds umschichten in langfristig ausgelegte Investmentfonds, Mischfonds und Dachfonds.

Was ist mit Riester- und Rürup-Renten? Diese sind von der Abgeltungsteuer nicht betroffen. Es gilt: Keine Besteuerung der Erträge in der Ansparphase und die späteren Rentenzahlungen unterliegen dem persönlichen Steuersatz.


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