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15.07.2004

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Auch noch für die Umsatzsteuer von Lieferanten geradestehen?

Stellen Sie sich einmal folgenden Fall vor: Ein neuer Lieferant tritt mit Ihnen in Kontakt und bietet Ihnen die Lieferung von bestimmter Handelsware zu einem ungewöhnlich guten Preis an. Sie bestellen für 100 000 Euro plus Mehrwertsteuer und überweisen 116 000 Euro, nachdem Sie die Steuernummer beim Finanzamt des Lieferanten überprüft haben. Dann holen Sie sich 16 000 Euro Vorsteuer von Ihrem Finanzamt zurück.

Monate später passiert dies: Das Finanzamt fordert die 16 000 Euro von Ihnen zurück. Begründung: Der Lieferant sei Pleite gegangen und hätte vorsätzlich die Umsatzsteuer nicht mehr abgeführt.

Sie halten das für Unfug? Ist es auch. Allerdings solcher mit Gesetzeskraft. Denn der oben geschilderte Fall entspricht exakt der seit Jahresbeginn geltenden Rechtslage. (Rechtsgrundlage: § 25d UStG)

Zitate aus der neuen Vorschrift: „Der Unternehmer haftet für die Steuer aus einem vorangegangenen Umsatz, soweit (...) der Aussteller der Rechnung entsprechend seiner vorgefassten Absicht die ausgewiesene Steuer nicht entrichtet (...) hat, (...) und der Unternehmer bei Abschluss des Vertrages über seinen Eingangsumsatz davon Kenntnis hatte oder (...) hätte haben müssen. Von der Kenntnis oder dem Kennenmüssen ist insbesondere auszugehen, wenn der Unternehmer für seinen Umsatz einen Preis in Rechnung stellt, der zum Zeitpunkt des Umsatzes unter dem marktüblichen Preis liegt.“

Hier ist also Vorsicht geboten: Günstige Preise müssen Sie hellhörig machen. Ist der Preis günstig und führt der Lieferant die Mehrwertsteuer nicht ab, haften Sie. Ausnahme laut Gesetz: „Weist der Unternehmer nach, dass die Preisgestaltung betriebswirtschaftlich begründet ist, finden die (neuen Vorschriften) keine Anwendung.“

Fazit: Informieren Sie sich also bei neuen Lieferanten genau über deren Zuverlässigkeit. Dokumentieren Sie die Marktpreissituation, falls es eine solche gibt. Dann können Sie im Ernstfall nachweisen, dass „… die Preisgestaltung betriebswirtschaftlich begründet ist“. Ansonsten laufen Sie Gefahr, auch noch für fremde Umsatzsteuer zu haften.


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