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15.09.2004

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Was sich ab 2005 bei Lebensversicherungen und Renten ändert

Eine paradoxe Situation für Versicherungsvertreter: Geplante Verschlechterungen bei ihrem Lieblings-Produkt führen stets zu einem großen Kundenansturm und zur Freude bei den Vermittlern. Denn diese reden ihren Kunden ein, nun sei es höchste Zeit, sich - quasi im Schlussverkauf - eine der letzten “guten alten” Kapitalversicherungen zu angeln. In den letzten fünf Jahren hatte die Branche besonders viel Glück: Immer wieder wurde über die Abschaffung der Steuerfreiheit ernsthaft diskutiert, aber dann blieb alles beim Alten. So spülte eine Torschlusspanik-Welle nach der anderen viele neue Lebensversicherungskunden zu den Versicherungsgesellschaften.

Diesmal ist das anders: Denn nun steht definitiv fest, dass bei Kapitallebensversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen werden, die Erträge nur noch zur Hälfte steuerfrei sind. Und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Details:

 

Vertragsabschluss bis Ende 2004

Vertragsabschluss ab 2005

Erforderliche Kriterien für steuerliche Begünstigung

  • Fünf Jahre Mindest-Prämienzahlungsdauer
  • 12 Jahre Laufzeit
  • Todesfallschutz mindestens 60 Prozent der zu zahlenden Beiträge
  • Nicht steuerschädlich zur Kreditsicherung abgetreten

Wie links, aber zusätzlich Auszahlung nach dem 60. Geburtstag

Wenn nur eines der Kriterien nicht erfüllt ist, sind die Erträge aus der Versicherung …

 

zu 100 Prozent steuerpflichtig

Wenn alle Kriterien nicht erfüllt sind, sind die Erträge aus der Versicherung …

zu 100 Prozent steuerfrei

zu 50 Prozent steuerfrei

Können die Prämien als Sonderausgaben abgezogen werden, wenn alle Kriterien erfüllt sind?

Ja,(aber nur, wenn die Höchstbeträge noch nicht ausgeschöpft sind) 

nein



Lohnt sich es sich, dieses Jahr noch schnell eine Lebensversicherung abzuschließen, um sich die jetzigen Vorteile dauerhaft zu sichern?

a) Steuerfreiheit der Erträge: Auf den ersten Blick scheint das ein Vorteil zu sein, doch in Anbetracht der mäßigen Renditen (ca. 4 - 5,5 Prozent p. a.) relativiert sich das Argument wieder. Dies vor allem dadurch, dass viele Aktienfonds langfristig deutlich höhere Renditen (8 bis 10 Prozent p. a.) erzielen. Und auch diese Renditen sind fast vollständig steuerfrei, da sie im Wesentlichen aus steuerfreien Wertsteigerungen bestehen (Voraussetzung: Haltedauer über 12 Monate).

b) Abzugsfähigkeit der Prämien als Sonderausgaben: Hier handelt es sich theoretisch um einen echten Vorteil. Viele können ihn aber gar nicht nutzen. Denn der Sonderausgabenabzug für Versicherungsbeiträge ist begrenzt und oft schon durch andere Versicherungen (Renten-, Kranken, Unfall-, Haftpflicht-, Berufsunfähigkeitsversicherungen, gesetzliche Sozialversicherung) ausgeschöpft. Derzeit können Ledige höchstens 1334 Euro voll absetzen, weitere 1334 Euro sind hälftig abzugsfähig.

Für Verheiratete gelten die doppelten Beträge: Im besten Fall kann ein Unternehmer-Ehepaar also 10138 Euro im Jahr an privaten Versicherungen absetzen. Der Vorwegabzug wird jedoch gekürzt um 16 % eines sozialversicherungspflichtigen Gehalts. Sind Sie also verheiratet, und ist Ihr Ehepartner sozialversicherungspflichtig beschäftigt, kann das dazu führen, dass Sie keinen Vorwegabzug mehr haben.

Neu durch das Alterseinkünftegesetz: Der Vorwegabzug für Selbständige (derzeit 3068/6136 Euro) wird - beginnend ab dem Jahr 2011 - in Schritten von 300 Euro - bis 2019 abgeschmolzen. (Rechtsgrundlage: § 10 (4a), 52 (1) EStG)

Fazit: Verfallen Sie wegen des drohenden Wegfalls der Steuervorteile der Lebensversicherung nicht in Torschlusspanik. Alleine die Steuerfreiheit der Erträge macht die Lebensversicherung noch nicht attraktiv. Interessant ist hingegen der Sonderausgabenabzug, den aber nur wenige nutzen können. Falls Sie sich jedoch durch-gerechnet haben, dass Sie über die gesamte Laufzeit Ihrer Versicherung die Prämien steuerlich wirksam absetzen können, kann die Lebensversicherung - beim richtigen Anbieter abgeschlossen - eine interessanter Baustein Ihrer Altersvorsorge sein.


Mit diesen `nderungen müssen Rentner ab 2005 rechnen

Das Bundesverfassungsgericht hatte in seinem Urteil vom 06.03.02 gefordert, dass Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung gleich besteuert werden müssen. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und ein “Alterseinkünftegesetz” erlassen. Dieses führt mit Wirkung ab 2005 die so genannte “nachgelagerte Besteuerung” ein. (Fundstelle: 2 BvL 17/99, BStBl II 02, 618)

Das Prinzip besagt: Altersvorsorgeaufwendungen können Sie als Sonderausgaben abziehen, aber Ihre Altersrente wird voll versteuert. Diese “nachgelagerte Besteuerung” wird schrittweise über einen Zeitraum von 35 Jahren eingeführt. Der Start erfolgt 2005, dann geht es in kleinen Schritten weiter bis 2040.

Wichtig für alle, die jetzt in Rente sind oder bald in Rente gehen: Der steuerpflichtige Anteil der Rente verdoppelt sich in etwa von derzeit durchschnittlich 27 auf 50 Prozent bei Rentenbeginn bis 2005! Der Besteuerungsanteil mit 50 Prozent gilt bei Rentenbeginn bis 2005 für alle Altrenten (Bestandsrenten) und für Neurenten mit Rentenbeginn in 2005.

Achtung Missverständnisgefahr: 50 Prozent Besteuerungsanteil heißt nicht, dass die Rente mit einem Steuersatz von 50 Prozent besteuert wird, sondern dass 50 Prozent der Rente dem individuellen Steuersatz des Rentners unterliegen. Und dieser kann (Stand: 2005) zwischen 0 und 42 Prozent liegen.

Der Besteuerungsanteil mit 50 Prozent gilt für die ganze Laufzeit der Rente bis zum Tod des Rentners. Bei Rentenbeginn ab 2006 bis 2019 steigt der Besteuerungsanteil für jeden neuen Rentenjahrgang um 2 Prozent pro Jahr. Beispiel: Beim Neurentnerjahrgang 2019 werden 78 Prozent der Rente besteuert.


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