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04.10.2004

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Die Steuervorteile bei Filmfonds stehen auf wackligen Beinen

Die Luft ist dünn geworden für Deutschlands Steuersparer. Eines der wenigen verbliebenen Steuersparmodelle sind Film- und Medienfonds. Diese bringen die höchsten Steuervorteile unter allen geschlossenen Fonds. Bis zu 170 Prozent - bezogen auf die Bareinlage bei teilweiser Fremdfinanzierung des Fondsanteils - sind drin.

Das klappt aber nur unter ganz engen Voraussetzungen: Nur wenn die Anleger alle wesentlichen Entscheidungen über den Film selbst treffen, gelten sie als Produzent. Und nur dann können die Aufwendungen sofort abgesetzt werden. Sind die Anleger hingegen nicht unmittelbar in alle Entscheidungsprozesse eingebunden, gelten sie nicht als Produzent, sondern als Käufer. Die Folge: Das investierte Geld kann nicht sofort, sondern nur über 50 Jahre mit jeweils 2 Prozent abgeschrieben werden. Das heißt: knapp 4 statt 170 Prozent Verlustzuweisung im Erstjahr.

Konkret heißt das: Sie dürfen sich nicht an einem fertigen, vom Initiator vorgeschlagenen Konzept beteiligen. Die Anleger selbst müssen nach dem Beitritt auf der Gesellschafterversammlung oder über den dort zu wählenden Beirat die Filme und Darsteller auswählen (Fundstelle: BMF, 23.02.01, BStBl. 01 I, 175, Rz. 17). Dann heißt es Zittern bis zum Schluss: Erst nach vier oder fünf Jahren beurteilt die Betriebsprüfung den von den Gesellschaften gewählten Beirat, der die Kontrolle über die Filmherstellung ausübt. Empfindet die Betriebsprüfung diesen als “zu initiatorennah”, sind die Verlustzuweisungen verloren. (Fundstelle: BMF, 04.08.03, BStBl. 03 I, 406)

Die Finanzverwaltung wirft den Anlegern Knüppel zwischen die Beine: In einer neuen Verfügung aus Frankfurt werden “Marketing-Zuschüsse” als nicht sofort abziehbare Aufwendungen abgestempelt, ohne eine Begründung zu liefern (Fundstelle: OFD Frankfurt/M., 19.04.04). München will zusätzliche Unsicherheit schüren: Eine Verfügung verbietet allen bayerischen Finanzämtern, auch nur vorläufige oder unverbindliche Auskünfte über Filmfonds zu erteilen. (Fundstelle: OFD München, 07.05.04, nwb 04, 2325)

Fazit: Die Einspielergebnisse eines Films sind sowieso Glückssache. Bei Filmfonds sind jedoch auch die steuerlichen Vorteile ein Roulettespiel. Denn nur wenn Sie mit Schauspielern und Regisseur quasi “per du” sind, gelten Sie als steuerlich begünstigter “Produzent”. Ob Ihnen das Finanzamt diesen begehrten Status zuerkennen wird, können Sie verbindlich erst nach vielen Jahren wissen. Deshalb: Wenn Sie Geld zum Spekulieren übrig haben, sind Medienfonds von erfolgreichen Initiatoren (z. B. VIP/Chorus) in Ordnung. Wenn Sie jedoch auf verlässliche Steuerersparnisse hoffen: Finger weg!


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