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30.03.2005

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Wie Sie mehr Verluste absetzen als der Gesetzgeber erlaubt

In Ihrer KG können Sie Verluste nur dann absetzen, wenn Sie zuvor Geld in entsprechender Höhe eingeschossen haben. Oder: Wenn für Sie im Handelsregister eine Haftsumme eingetragen ist, die höher als Ihr Kapital ist (Rechtsgrundlage: § 15a EStG). Unter Umständen gibt es aber hier jetzt Schützenhilfe durch ein neues Urteil:

Beispiel für die geltende Regelung: Kommanditist Huber (Haftsumme laut Handelsregister = 100 000 Euro) hat seine Kommanditeinlage in Höhe von ebenfalls 100 000 Euro voll erbracht. Er erleidet einen Verlust von 300 00 Euro. Steuerliche Folge: Nur 100 000 Euro kann er mit anderen Einkünften verrechnen, die anderen 200 000 Euro kann er nur mit zukünftigen Gewinnen aus dieser KG verrechnen.

Die steuerliche Regel heißt also: Der steuerwirksame Abzug von Verlusten ist nur bis zur Höhe der Kapitaleinlage erlaubt. Wenn Ihr Kommanditkapital in Ihrer KG-Bilanz negativ wird, ist der Abzug hingegen ausgeschlossen. Umgekehrt heißt das aber: Wer Verluste im gleichen Jahr durch Einlagen wieder auffüllt, darf diese Verluste auch absetzen. Denn er hat ja echtes Geld verloren und nicht nur Buchverluste erlitten.

Dabei ist dem Gesetzgeber allerdings ein Denkfehler passiert: Er hat den Fall außer Acht gelassen, dass jemand eine Einlage leistet und der Verlust erst in einem späteren Jahr stattfindet. In solch einem Fall dürfen Sie nach dem Gesetzeswortlaut nichts absetzen, obwohl Sie doch „echtes Geld” verloren haben.

Beispiel (Fortsetzung von oben): Kommanditist Huber (Allein-Gesellschafter einer GmbH & Co. KG) startet ins Jahr 2004 mit einem negativen Kapitalkonto in Höhe von 200 000 Euro. Er legt 100 000 Euro in die KG ein. In 2004 hat die KG einen Gewinn von Null. Im Jahr 2005 erleidet sie einen Verlust in Höhe von 100 000 Euro. Das Finanzamt wird Huber nun sein negatives Kapitalkonto entgegenhalten und den Abzug der 100 000 Euro Verlust verbieten.

Das oberste Steuergericht entschied jedoch zugunsten der Kommanditisten: Einlagen aus Vorjahren müssen auch dann berücksichtigt werden, wenn später ein negatives Kapitalkonto durch Verluste entsteht. Huber kann seine Verluste also absetzen - obwohl der Buchstabe des Gesetzes das Gegenteil sagt. (Fundstelle: BFH, 14.10.03, BStBl. 04 II, 359) 

Traurig aber wahr: Die Finanzverwaltung will diese Kommanditistenfreundliche Rechtsprechung nicht anwenden. Wer das Urteil für sich nutzen will, muss also einen Prozess führen. Diesen wird er allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen. (Fundstelle: BMF, 14.04.04, BStBl. 04 I, 463)

Rat an Sie: Falls Sie Verluste haben, und Ihr Finanzamt diese unter Hinweis auf Paragraf 15a Einkommensteuergesetz nicht zur Verrechnung mit anderen Einkünften zulassen will, sollte Ihr Steuerberater die Sache genau prüfen. Denn unter Umständen kommt Ihnen das neue Urteil zu Hilfe, das dem Kommanditisten in bestimmten Fällen einen Verlustabzug gegen den Gesetzeswortlaut zugesteht. Profitieren kann aber nur derjenige, der nicht alles widerspruchslos hinnimmt, was vom Finanzamt kommt …


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