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14.04.2005

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Neu: Software sollen Sie jetzt über zehn Jahre abschreiben

Über welchen Zeitraum ein Wirtschaftsgut abzuschreiben ist, ist in den amtlichen Abschreibungstabellen geregelt. Dort finden Sie die Abschreibungsdauern der exotischsten Anlagegüter wie Zwangsmischer, Außenrüttler, Nasstrebersiloanlagen oder Filtertücherwaschmaschinen.

Ganz normale “Software” hatte man jedoch vergessen: Die meisten Unternehmer haben Software deshalb - analog zu Computern - über drei Jahre abgeschrieben. Das ergab einen jährlichen Abschreibungssatz von 33,3 Prozent.

Die Finanzverwaltung will jetzt zehn Jahre als Abschreibungsdauer durchsetzen: Das ergibt sich aus einer aktuellen Verfügung. (Rechtsgrundlage: OFD Magdeburg, 26.11.04, nwb 5/05, 317, FinMin Bremen, 13.09.04, juris)

Weitere Verschärfung: Kosten für die Implementierung, d. h. die Einrichtung der Software (Installation und Konfiguration), konnte man bisher sofort als Aufwand ausbuchen. Nach den neuen Erlassen soll dieser Aufwand zu den Kosten der Software hinzugerechnet und ebenfalls über zehn Jahre abgeschrieben werden.

Ab wann gilt das? Hierzu äußert sich die Verwaltung nicht. Da aber bisher gar nichts geregelt war, wird man sicher versuchen, diese 10-jährige Abschreibungs-Dauer auf alle noch offenen Fälle anzuwenden. Das kann sogar heißen: Selbst wenn bei Ihnen eine Betriebsprüfung für die Jahre 2000 - 2002 stattfindet, könnte der Prüfer versuchen, Ihre Abschreibungssätze nachträglich zu kürzen.

Wie sollten Sie sich nun verhalten? Hier müssen Sie drei Fälle unterscheiden. Die ersten zwei sind unproblematisch, weil hier der Sofort-Abzug unstreitig ist.

Fall 1 - Software bis 410 Euro netto: Solche Software gilt als “geringwertiges Wirtschaftsgut”. Sie können sie im Jahr des Kaufs sofort abschreiben. (Rechtsgrundlage: R 31a Abs. 1 EStR)

Fall 2 - Updates: Falls Sie Geld ausgeben, um die aktuellste Programmversion einzusetzen, können Sie diese Ausgaben als Erhaltungsaufwand sofort absetzen - unabhängig von den Kosten. Beispiel: Sie rüsten auf von Windows 98 auf Windows XP. (Fundstelle: Senator für Finanzen Bremen v. 13.09.04, S 2172 - 5968 - 110)

Fall 3 - Hier wird's problematisch: Kaufen Sie Software über 410 Euro netto, die kein Update ist, sollen Sie diese jetzt nur noch über zehn Jahre abschreiben dürfen.

Ausweg 1: Können Sie glaubhaft machen, dass bei Ihnen Software kürzer eingesetzt wird, können Sie auf diesen kürzeren Zeitraum abschreiben - mit entsprechend höheren jährlichen Abschreibungsbeträgen.

Ausweg 2: Sie ignorieren die neue Anweisung einfach. Denn die Abschreibungsdauer von Software ist weder gesetzlich noch in den amtlichen AfA-Tabellen geregelt. Die Abschreibungsdauer von zehn Jahren ist nur eine (Schnaps-)Idee der Finanzverwaltung und kein Gesetz. Sie müssen sich also nicht daran halten. Falls Sie schnellere und höhere Abschreibungen geltend machen, müssen Sie sich allerdings auf Diskussionen mit Ihrem Finanzamt einstellen.

Fazit: Die Finanzverwaltung will die Abschreibungssätze für Software reduzieren - rückwirkend für alle noch offenen Fälle. Billig-Software (bis 410 Euro) und Updates sind nicht betroffen. Ansonsten sollte man sich gute Argumente überlegen, eine kürzere Nutzungsdauer glaubhaft zu machen.


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