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14.04.2005

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Wann Sie die Mehrwertsteuer nicht Ihren Lieferanten zahlen dürfen

Sie alle kennen den Normalfall: Jemand erbringt eine Leistung für Sie und stellt Ihnen eine Rechnung. Sie überweisen den Bruttobetrag. In einigen Fällen wurde dies jedoch seit 01.04.04 umgedreht: (Fundstelle:  BMF, 31.03.04 und 02.12.04, BStBl I 04, 453 und 1129) 

Immobilienkauf mit Mehrwertsteuer: Kaufen Sie eine Gewerbe-Immobilie für Ihre Firma oder um sie mehrwertsteuerpflichtig zu vermieten, dürfen Sie die Mehrwertsteuer nicht an den Verkäufer bezahlen. Vielmehr müssen Sie sie ans Finanzamt abführen, oder mit Ihrem Vorsteuerabzug saldieren. Beispiel: Die Mode-GmbH-&-Co.-KG kauft ein Ladenlokal von einem Bauträger für 300 000 Euro netto. 16 Prozent dieses Betrags muss sie in ihrer nächsten Umsatzsteuervoranmeldung als Schuldposten deklarieren und abführen, darf ihn aber gleichzeitig als Vorsteuer abziehen. Achtung: Kaufen Sie eine Gewerbe-Immobilie, die bereits vermietet ist, und führen Sie die Mietverträge fort, dann fällt gar keine Mehrwertsteuer an. (Rechtsgrundlage: § 13b Abs. 1Nr. 3 UStG)

Bauleistungen von ausländischen Unternehmern - Beispiel: Die X-GmbH-&-Co.-KG lässt sich ihre Büros von einem polnischen Fliesenlegerunternehmen neu fliesen. Dann darf das polnische Unternehmen keine Mehrwertsteuer ausweisen. Die X-GmbH-&-Co.KG muss die Mehrwertsteuer ans Finanzamt abführen, kann sie aber zugleich als Vorsteuer abziehen. (Rechtsgrundlage: § 13b Abs. 1Nr. 1 UStG)

Achtung: Diese Regelung gilt auch dann, wenn sich ein Unternehmer für sein Privathaus Leistungen von einem ausländischen Unternehmer erbringen lässt. Beispiel: Ein Hamburger Unternehmer beauftragt eine holländische Firma mit der Renovierung seines Ferienhauses auf Sylt. Hier zahlt er nur den Nettobetrag an den ausländischen Unternehmer und überweist die Mehrwertsteuer ans Finanzamt. Einen Vorsteuerabzug gibt es hier nicht, weil die Bauleistung für den Privatbereich bezogen wurde.

`nderungen seit letztem Jahr: Diese Umkehrung gilt nun auch bei inländischen Baufirmen. Voraussetzung: Der Auftragnehmer erbringt Bauleistungen und der Auftraggeber ist ebenfalls Bauunternehmer. Das ist er bereits, wenn er zehn Prozent seiner Umsätze mit Bauleistungen erwirtschaftet. (Rechtsgrundlage: § 13b Abs. 1Nr. 4 UStG)

Fazit: Beachten Sie, dass Sie unter anderem in folgenden Fällen die Mehrwertsteuer nicht an die ausführende Firma, sondern direkt ans Finanzamt zahlen müssen:
- mehrwertsteuerpflichtiger Immobilienkauf,
- Werkleistungen durch ausländischen Unternehmer sowie
- bei Bauleistungen, wenn Sie selber Bau-Umsätze von mehr als zehn Prozent tätigen.


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