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17.10.2005

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Wenn Sie nicht „deutsch“, sondern „international“ buchen

Die deutsche Buchführung nach Handelsgesetzbuch ist ausreichend für kleinere und mittlere Unternehmen, die ohne externe Investoren auskommen. Wer allerdings Geld über den Kapitalmarkt aufnimmt oder gegenüber anglo-amerikanischen Interessenten seine Zahlen offen legen will, der greift eher zu den modernen IAS (international accounting standards) statt zum altbackenen HGB. Bei kapitalmarktorientierten Unternehmen ist das seit diesem Jahr sogar Pflicht.

Trotzdem kann man das HGB nicht ganz vermeiden: Auch wenn Sie „modern“ nach IAS buchen, müssen Sie zumindest Ihren Jahresabschluss nach HGB aufstellen. Dafür genügen dann allerdings einmal jährlich einige Überleitungsbuchungen. Eine separate Buchhaltung nach HGB brauchen Sie nicht. Ihrer gesetzlichen Buchführungspflicht genügen Sie auch durch eine IAS-Buchhaltung.

Gefahr droht Ihnen aber in der Unternehmenskrise: Gerät Ihr Unternehmen in eine Schieflage, müssen Sie ständig überprüfen, ob Sie überschuldet sind und zwar nach HGB! Überschuldung liegt vor, wenn Ihre Schulden höher sind als Ihr Vermögen. Und hier besteht die Gefahr, dass durch das Buchen nach IAS Ihr Vermögen ` aus deutscher Sicht ` zu hoch ausgewiesen wird.

Beispiele: Rechte, Patente und Finanzanlagen dürfen Sie nach IAS mit dem Zeitwert bilanzieren, selbst wenn dieser über den Anschaffungskosten liegt. Nach HGB wäre das unzulässig. Bei langfristigen Aufträgen dürfen Sie bei IAS Gewinne je nach Produktionsfortschritt ausweisen. Nach HGB ist das verboten.

Die Folge: Unternehmen in einer Krise laufen bei IAS Gefahr, eine Überschuldung im Sinne des HGB nicht zu bemerken. Dadurch setzen sich die Geschäftsführer der Komplementär-GmbH jedoch strafrechtlichen Risiken aus (max. zwei Jahre Haft) und zivilrechtlichen (volle private Haftung).

Fazit: Die Buchhaltung nach IAS ist für größere Unternehmen zeitgemäß und kann statt der alten HGB-Buchführung gewählt werden. In einer Unternehmenskrise muss allerdings ` im Extremfall sogar wöchentlich ` nach HGB gebucht werden, um Haftungsgefahren für den Geschäftsführer zu vermeiden.


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